WINTERTHURER ZEITUNG: "Die Spuren der Zeit sollen sichtbar bleiben"



Kunstwerke

Der Hafner Fredi Mathys restauriert wertvolle Zeugen längst vergangener Zeiten

"Die Spuren der Zeit sollen sichtbar bleiben"

Winterthur war einst Hochburg des Hafner-Gewerbes. Die damals entstandenen Kachelöfen sind heute historisch interessant und von unschätzbarem Wert. Der junge Hafner Fredi Mathys hat sich deren Erhaltung zum Beruf gemacht. Eine interessante Arbeit, die Respekt vor der Vergangenheit voraussetzt.

rd. "Die Restauration hört dort auf, wo die Hypothese beginnt." Der Satz kommt ihm leicht über die Lippen, ist ihm zum Credo geworden. Der 31jährige Winterthurer Hafner Fredi Mathys hat Respekt vor dem Wirken seiner Berufskollegen, die vor zwei bis dreihundert Jahren unter - aus heutiger Sicht - primitiven Bedingungen die kunstvoll gestalteten Kachelöfen bauten, die bis heute nichts von ihrer Ausstrahlung verloren haben.

Die Restauration darf nur so weit gehen, wie man auch wirklich sicher ist, dass sie das Ursprüngliche nicht verfälscht. Annahmen und Vermutungen sind in dieser Arbeit fehl am Platz. Dies steht auch in der Charta Venezia geschrieben - dem Leitfaden für Restaurateure, dem sich auch Mathys verpflichtet fühlt.

Bedeutende Kunstwerke

Während er so über seine Arbeit erzählt, steht Fredi Mathys auf dem dreistufigen Ofensitz eines wunderschönen Turmofens, der im Jahre 1664 vom Winterthurer Hafner Abraham Pfau (dessen Familie zusammen mit den Huser, Erhart und Graf die Eulachstadt zur Hafnermetropole machte) erbaut wurde. Mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl bringt er eine restaurierte Kachel wieder an den richtigen Ort und befestigt sie mit Lehm.

Der Ofen, den er gegenwärtig im Zürcher Oberland bearbeitet, ist nur einer auf einer langen Liste wertvoller, historischer Kachelöfen, die unter seiner Hand zu neuem Glanz erstrahlen. Soeben erst hat er die Instandstellungsarbeiten der Kachelöfen im Schloss Greifensee beendet. Der Winterthurer Ofenbauer hat aber auch keine Berührungsängste mit Öfen anderer Herkunft. So demontierte er kürzlich in einem Schloss im Bernbiet einen Freiburger Kachelofen von Jean Baptiste Nuoffer aus der Zeit um 1780 und baute ihn in einem Privathaus am Zürichsee wieder auf.

Wissen, Liebe und Erfahrung

Mathys ist mit viel Liebe bei der Arbeit. Schon früh entdeckte er seine Fähigkeiten für keramische Restaurationen und liess sich während drei Jahren zum Hafner ausbilden. "Der Beruf faszinierte mich von Beginn weg, da er ausschliesslich mit Naturprodukten auskommt und ein Kunsthandwerk ist, dass über Jahrhunderte Bestand hat." Die Zuneigung gilt vorab den historischen Kachelöfen.

Im Laufe der Zeit hat er sich ein breites Wissen über die Geschichte des Ofenbaus in der Schweiz angeeignet. Häufig wird er darum auch beigezogen um den Wert eines Ofens einzuschätzen. Zum Wissen gesellte sich mit der Zeit auch Erfahrung. Diese kommt ihm unter anderem zugute, wenn es darum geht, die richtige Mischung für die Ausbesserung schadhafter Glasur herzustellen.

Eingemauerte Zeitzeugen

Faszinierend an seiner Arbeit sei nicht nur der Umgang mit der alten Substanz und die Auseinandersetzung mit den Bildnissen aus längst vergangenen Zeiten. Immer wieder entdeckt er beim Abbau alter Öfen eingemauerte Zeitzeugen: Zeitungsartikel, Münzen oder Ersatzkacheln. "Im Klettgau erzählte mir einmal ein alter Mann, dass sein Grossvater im Ofen Gold eingebaut habe. Beim Abbau stiess ich tatsächlich auf ein Couvert. Darin befand sich allerdings nur eine Visitenkarte eines Hafners, der den Ofen vor rund fünfzig Jahren restauriert hatte. Das Gold war nicht mehr dort", erzählt Mathys eine Episode aus seiner Tätigkeit. Die Funde in den Öfen gehören zu den kleinen Freuden, die er auch der Nachwelt bereiten will. So mauert er jeweils einen genauen Beschrieb davon ein, was er mit dem Ofen gemacht hat und welche Materialien er verwendete. Oft legt er auch eine Münze oder einen anderen Gegenstand bei. Die Hafner-Tradition soll weiterleben.

Winterthurer Hafner-Tradition

Die Kachelöfen aus Winterthurer Werkstätten zählen zu den hervorragendsten Vertretern dieser Gattung des Kunsthandwerks. Die Entwicklung Winterthurs zu einem der bedeutendsten Hafnerzentren des 16. und 17. Jahrhunderts setzte bereits 1467 mit der Verpfändung der Stadt an Zürich ein. Damals zogen verschiedene bekannte Handwerker in die Stadt, darunter mit den Huser, Erhart und Pfau auch Hafner aus dem Bodenseeraum. Bis Ende des 16. Jahrhunderts beherrschte die Familie Huser die Ofenhafnerei, dann traten Erhart, Pfau und Graf die Nachfolge an. Diese Namen stehen für unzählige Kachelöfen, die nicht nur in der Stadt Winterthur und Umgebung, sondern auch in anderen Kantonen und im nahen Ausland aufgebaut wurden. Viele sind noch heute in Museen und Schlössern zu sehen, einige befinden sich in Privatbesitz. Vorallem die sogenannten "Bildwandöfen" der Familie Pfau sind wertvolle Zeitzeugen, da sie nebst eindrücklicher Architektur auch interessante Darstellungen und Text aufweisen, die viel Wissenswertes aus der damaligen Zeit überliefern. Das Buch "Winterthurer Kachelöfen" (Verlag Stämpfli & Cie AG, Bern) von Ueli Bellwald geht der Geschichte der hiesigen Hafner-Tradition minutiös und umfassend nach.


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